Die Geschichte des Livanjski sir und von Mljekara Livno
Die Geschichte des Livanjski sir ist vielleicht eine der schönsten Geschichten, die sich um ein einzelnes Produkt ranken. Sie begann Ende des 19. Jahrhunderts, und vor dem Hintergrund großer europäischer Ereignisse verweben sich darin bewegende Liebesgeschichten mit den Geschichten der ersten Agronomen.
1878
Österreich-Ungarn
Mit dem Berliner Kongress wird Livno Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie und weckt als vorgelagerter Wirtschaftsstandort seines Reiches die Aufmerksamkeit des Kaisers (Franz Joseph). Damit beginnt die Geschichte des Käses, der zum Livanjski sir werden sollte.


1888
Landwirtschaftsstation
1888 gründet die Landesregierung in Sarajevo die Landwirtschaftliche Landesstation (Vieh- oder Wirtschaftsstation) in Livno. Ihr angeschlossen ist eine Landwirtschaftsschule, an der angesehene Käser aus Frankreich, der Schweiz und Böhmen unterrichteten (Karlo Oksner, Felix Lacombe, Rikard Berger).
1900
Ein Franzose in Livno
Die wichtigste Rolle spielte jedoch der Franzose Cyprian Jaillet, der ganz am Ende des 19. Jahrhunderts nach Livno kam und bald ein angesehener Bürger der Stadt wurde. Unter seiner Leitung begann die Herstellung von Roquefort und Vollkäse, später folgten Feta, Liptauer, Camembert und weitere.

„In Livno habe ich den köstlichsten Käse probiert, den es heute gibt“

1905
Das Rezept des Livanjski sir
Jaillet experimentierte unermüdlich mit weiteren Kombinationen. So entstand durch seine Arbeit, seine Kenntnis der Schweizer Milchwirtschaft und seine Leidenschaft der Balkan-Emmentaler, jener Schweizer Käse (formaggio svizzero), der nach dem Ersten Weltkrieg als „Livanjski sir“ bekannt wurde. Sein genaues Rezept (das kleine Abweichungen zulässt) wird bis heute angewendet.
1918 bis 1939
Entwicklung der Produktion
1933 wurden in Livno und Umgebung über 20 Käsereien verzeichnet. Hervor stachen erneut die Käsereien der Banschaftlichen (früher Landes-) Viehstation in Livno und auf dem Berg Cincar, die als erste mit der Käseherstellung begonnen hatten. Schätzungen zufolge betrug die Produktion von „Livanjski sir“ in dieser Zeit im gesamten Herstellungsgebiet 20 bis 30 Waggons pro Jahr. Verkauft wurde der Käse vor allem in Split, und der Export nach Belgien, Frankreich und Südamerika begann.


1945 bis 1969
Livanjski sir in Amerika
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Station wieder aufgebaut, einige private Käsereien wurden übernommen, und es entstand das staatliche Landwirtschaftsgut „Ante Zoro Kelava“, das damals rund 1 Waggon Livanjski sir pro Jahr produzierte. Die privaten Käsereien spielten weiterhin eine wichtige Rolle, sodass die gesamte Jahresproduktion bei 4 bis 5 Waggons Käse lag. Harter Livanjski sir wurde damals sogar nach Ägypten, England und Amerika exportiert.
1970
Mljekara Livno
Die Mljekara Livno wird gegründet (damals unter dem Namen Zagrebačka mljekara) und produziert jährlich 10 bis 15 Waggons Käse.



